Breaking the Silence: Congo Week 2026 und die Frage der Souveränität
Es gibt Länder, über die man spricht und es gibt Länder, über die man schweigt.
Der Kongo gehört zur zweiten Sorte. Man spricht über Kobalt, über Coltan über die Batterien in unseren Handys und Elektroautos. Man spricht über Ebola, über Statistiken über "Krisen". Aber über die Menschen, über die Millionen Tote, über die Frauen ,die Kinder, die Familien, über sie wird geschwiegen.
Darum heißt unser Motto in diesem Jahr: Breaking the Silence. Und warum stellen wir eine Frage in den unbequemen Mittelpunkt für Europa ebenso wie für uns selbst: Was bedeutet Souveränität?
Souveränität, ein großes Wort
Souveränität klingt nach Völkerrecht, nach Grenzen, nach Diplomatie. Für mich kling es nach etwas sehr Einfachem: nach dem Recht, über das eigene Leben und das Land zu bestimmen.
Der Kongo ist seit über sechzig Jahren formal unabhängig. Aber ist das Land auch wirklich souverän, wenn seine Bodenschätze unter dem Vorwand von Sicherheit und Stabilität aus dem Land getragen werden? Wenn bewaffnete Gruppen ganze Regionen kontrollieren und die Wlet zusieht? Wenn Entscheidungen über seine Zukunft in Hauptstädten getroffen werden, die tausende Kilometer entfernt liegen? Das ist kein Zufall, das hat einen Namen: neocolonialisme.
Und dann gibt es die zweite Souveränität, die uns in Österreich betrifft. Die Souveränität der Diaspora. Das Recht , unsere Geschichte selbst zu erzählen, statt sie erzählt zu bekommen. Das Recht, nicht nur als Integrationsthema vorzukommen, sondern als Stimme, als Gestalterin, als Teil dieser Gellschaft.
Beides gehört zusammen. Ein Volk, das nicht über sein Land bestimmen darf, und eine Diaspora, die nicht über ihr eigenes Bild bestimmen darf, das ist dieselbe Wunde, an zwei verschienden Orten.
Sieben Tage, sieben Zugänge
Die Congo Week ist kein Festival, das man konsumiert. Sie ist eine Woche, die man mitgeht.
Freitag: Kochen als Akt der Erinnerung

Wer mich kennt, weiß: Bei uns ist Essen nie nur Essen.
Am Freitag, 23.10., von 15:00 bis 17:00 Uhr, lädt die Fondation La Grande zum Kochworkshop ein, mit Küchenchefin Ev. La Grande Mbamba. Wir kochen kongolesisch, auf Deutsch, Englisch und Französisch, und während die Töpfe dampfen, erzählen wir von den Frauen, die die Geschichte des Kongo geprägt haben, von Kimpa Vita bis zur Frau von Patrice Lumumba.
Denn die kongolesische Köchin, la grande, ist mehr als jemand, der kocht. Sie ist Wissensträgerin, Heilerin, Hüterin. In ihrer Küche lebt weiter, was Kolonialismus auslöschen wollte. Wenn wir gemeinsam kochen, ist das kein Folklore-Programm, das ist gelebte Souveränität, auf dem Teller.
Der Workshop ist kostenlos, Spenden sind herzlich empfohlen. Anmeldung über Eventbrite, per E-Mail an info@fondationlagrande.com oder unter +43 664 956 19 14.
Freitagabend: Told by us, for us

Ab 18:30 Uhr wird es laut, bunt und sehr persönlich. Diaspora & Solidarity ist der Abend, an dem wir unsere eigenen Geschichten erzählen, die Geschichten der kongolesischen Diaspora in Österreich. Mit Musik, mit Kunst, mit Poetry.
Offen für alle, aber mit kongolesischen Stimmen im Zentrum. Das ist kein Widerspruch, das ist der Punkt. Wer solidarisch sein will, darf auch einmal zuhören, statt zu sprechen.
Die Künstler:innen treten an diesem Abend ohne Honorar auf. Sie bekommen etwas anderes: eine Bühne, Sichtbarkeit, ein Publikum, das wirklich hinhört. Und wir sammeln Spenden für Witwen und Waisenkinder im Kongo.
Eintritt frei, Spenden willkommen.
Warum wir das ohne Förderung machen
Die Congo Week 2026 wird ausschließlich über private Sponsorings getragen, zum Großteil vom Vorstand der Fondation La Grande selbst. Keine öffentliche Förderung, keine Spenden, die für die Organisation zweckentfremdet werden. Jeder Euro, den ihr an diesen Tagen spendet, geht dorthin, wo er hingehört.
Auch das ist Souveränität. Niemand bestimmt, welche Geschichte wir erzählen dürfen.
Organisiert wird die Woche von der Gruppe rund um Congo Vienna Action gemeinsam mit Friends of Congo, und getragen von allen, die kommen, zuhören und weitererzählen.
Tokobosanaka te
In Lingala sagen wir: Tokobosanaka te. Wir vergessen nicht.
Wir vergessen nicht die Toten. Wir vergessen nicht die Frauen, die überlebt haben. Wir vergessen nicht, woher wir kommen. Und wir vergessen nicht, dass Schweigen immer eine Seite wählt.
Also brechen wir es. Gemeinsam. Eine Woche lang, und hoffentlich darüber hinaus.
Kommt vorbei. Bringt eure Familien mit, eure Freund:innen, eure Fragen. Folgt uns auf Instagram unter @congoweek.austria und teilt, was ihr hier lest.
On se voit là-bas.
by Salomé
